Was Du als Unternehmerin von einer Tänzerin lernen kannst

Business und Tanzen – auch da gibt es viele Gemeinsamkeiten. Nicht nur das dranbleiben und Spaß haben, sondern auch Grenzen finden und auf sich achten. Was du noch alles vom Tanzen lernen und im Business umsetzen kannst, zeigt dir Jana Ritzen im heutigen Gastbeitrag.
Tänzer sind in der Regel dafür bekannt, dass sie in ihrem Beruf mit Haut und Haar aufgehen. Das Tanzen steht immer und ohne Ausnahme an erster Stelle.
So war es auch bei mir. Auf den ersten drei Plätzen meiner Prioritätenliste stand TANZ, dann kam ganz lange nichts, dann TANZ und irgendwann ganz weit unten auf der Liste Freunde, Beziehung, Familie.
Ich fühlte mich berufen und ordnete dem Tanz alles unter. In erster Linie meine eigene Person. Ohne Fragen, ohne Zweifel.
Bis ich eines Tages ein Date mit dem Burnout hatte. Einerseits eine furchteinflößende Zeit, andererseits das Beste, was mir passieren konnte.
Ich war zu diesem Zeitpunkt fest in einem Kokon aus bestimmten Wertvorstellungen und Überzeugungen eingeschlossen.
Das Burnout riss einen Schlitz in diesen Kokon und ließ Licht von außen herein.
Mir rutschten auf einmal Dinge ins Bewusstsein, die schon seit geraumer Zeit an der Schwelle meines Bewusstseins auf mich gewartet hatten und die ich heute gerne mit Dir teilen möchte.
Du als Selbstständige unterscheidest Dich nicht sehr von einer Tänzerin. Betrachte eine Tänzerin einfach als ein eigenes kleines Unternehmen. Denn das sind sie nämlich.
Sie haben die Verantwortung, ihre Fitness und Technik stetig auf einem gewissen Level zu halten und zu verbessern, damit sie nicht aus der Gruppe fallen. Gleichzeitig müssen sie dafür Sorge tragen, dass sie genügend Ruhe bekommen und regenerieren können.
Die Vorbereitung auf eine Rolle obliegt ganz ihnen. Das Material dafür müssen sie sich  meist selbst zusammen suchen. Bücher, Filme, Musik….
Eine Tänzerin kann die Verantwortung für Fehler nicht auf andere abschieben. Sie sind nunmal sichtbar und sie muss voll dafür einstehen.
Tänzerinnen liefern sich ständig Kritik aus. Im Ballettsaal genauso wie auf der Bühne. Soviel in aller Kürze zum Arbeitsalltag einer Tänzerin 😉

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Du bist ebenso verantwortlich, in Deiner Branche fit und auf dem neuesten Stand zu bleiben. Gleichzeitig musst auch Du Sorge dafür tragen, dass Du ausreichend Ruhe und Regeneration bekommst.
Dir trägt keiner das Material für Deine neueste Idee oder Dein neuestes Projekt hinterher. Du bist voll verantwortlich für Fehler und musst voll für sie einstehen.
Und auch Du lieferst Dich permanent Kritik aus, indem Du für Dein Unternehmen, Deine Praxis, Deine Produkte grade stehst.
Deine Ausgangslage ist der einer Tänzerin also gar nicht so unähnlich. Kommen wir damit zum spannenden Teil:
Wie gehst Du mit Kritik an Deinem Unternehmen, Deiner Praxis, Deinen  Produkten um?
Wenn Du Vollblut-Selbständige bist, wie ich Vollblut-Tänzerin war, dann wirst Du Dir jede Kritik an Deiner Arbeit sehr zu Herzen nehmen. Denn Du BIST Deine Arbeit!
Du wirst unbändige Freude verspüren, wenn Deine Arbeit gut ankommt, den Menschen Freude bringt oder ihnen verhilft, dass es ihnen besser geht. Das gibt Dir Aufschwung und macht Dich noch mutiger für das nächste Projekt.
Genauso aber wirst Du einen Stich in der Herzgegend verspüren und einen Knoten im Magen, wenn Deine Arbeit verrissen wird. Es wird Dich anspornen, Dich noch mehr anzustrengen oder Dich für eine Zeit lähmen.
In einer Gesellschaft, in der die Identifikation im Allgemeinen durch die Arbeit geschieht, sind Selbständige und Künstler vielleicht im Speziellen davon betroffen.
Wir SIND unser Produkt. Wir SIND unser Unternehmen. Wir SIND unsere Praxis. Wir SIND unsere Arbeit!
Welche Antwort würde Dir als erstes auf die Frage in den Sinn kommen, was von Deiner Praxis, Deinem Unternehmen übrig bliebe, wenn DU es nicht mehr führst?
Ich bin sicher, bei den meisten würde die Antwort „Nichts“ lauten. Richtig?
Wenn Du mir bis hierher zugestimmt hast und ebenfalls der Meinung bist, dass DU Dein Unternehmen, deine Praxis, Deine Arbeit BIST, dann lies bitte ganz aufmerksam, was mich mein Freund das Burnout lehrte:
Du BIST NICHT Deine Arbeit!
Es mag sein, dass von Deinem Unternehmen nichts oder kaum etwas übrig bleibt, wenn Du nicht da bist. Trotzdem:
Du BIST NICHT Dein Produkt. Du BIST NICHT Dein Unternehmen. Du BIST NICHT Deine Praxis.
Ja, Du füllst zu 100% Deine Arbeit aus, aber die Arbeit füllt nicht zu 100% Dich aus.
Ja, Du bist ALLES für Deine Arbeit, aber die Arbeit ist NICHT ALLES für Dich!
Ja, Dein Unternehmen, deine Praxis kann ohne Dich nicht existieren, aber Du kannst ohne Dein Unternehmen, ohne Deine Praxis existieren.
Du magst das Herz Deines Unternehmens sein, aber Dein Unternehmen ist nicht Dein Herz!
Vor allem in schwierigen Zeiten ist es sehr wichtig, sich diese Dinge ins Bewusstsein zu rufen! Ganz besonders, wenn man mit Herzblut bei der Sache ist.
Damit bin ich bei der nächsten Erkenntnis, die mich mein Burnout lehrte. Herzblut hin oder her:
Die Qualität Deiner Arbeit sagt nichts über Deine menschliche Qualität aus!
Meinungen anderer über Deine Arbeit, egal ob gut oder schlecht, sagen ABSOLUT NICHTS! über Dich als Mensch aus!
Mir ist relativ früh aufgefallen, dass in unserer Gesellschaft meist nicht getrennt wird zwischen der Arbeitsqualität und der Person, die hinter der Arbeit steht.
So meinen Chefs z.B., sie könnten einen Mitarbeiter, der in ihren Augen mindere Qualität abliefert, auch wie einen minderwertigen Menschen behandeln. Und andersherum.
Aber auch wir selbst glauben, dass solch ein Verhalten uns gegenüber berechtigt sei. Wir sind von klein auf gewohnt, für unsere Leistungen beurteilt zu werden.
Leider wird dabei viel zu selten betont, dass diese Beurteilung nichts über uns als Mensch aussagt. Gute Arbeit = guter Mensch. Schlechte Arbeit = schlechter Mensch.
Vor meinem Burnout litt ich unter einem sehr schlechten Selbstbild von mir. Ich riss mir auf gut deutsch den A…. auf, tanzte mir die Seele aus dem Leib. Wollte um jeden Preis verhindern, dass man von außen erkennen könne, was für ein schlechter Mensch ich sei.
Ich brauchte die positive Bestätigung von außen, um der Stimme in mir etwas entgegen setzen zu können. Das funktionierte über viele Jahre hervorragend. Bis scheinbar von heute auf morgen nichts mehr funktionierte.

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Trennst Du in Deinem Bewusstsein Deine Arbeit von Dir als Mensch?
Bist Du Dir wirklich und wahrhaftig bewusst darüber, dass Du nicht Deine Leistung bist? Dass Du zwar das Herz Deiner Arbeit sein kannst, Deine Arbeit aber niemals Dein Herz?
Sich voll und ganz in seine Arbeit einbringen zu können, in ihr aufzugehen und seine Erfüllung dort zu finden ist eine erstrebenswerte Angelegenheit.
Noch erstrebenswerter finde ich es heute, diese Bedingungen auch in meinen anderen Lebensbereichen zu erschaffen. Dafür nehme ich mir regelmäßig eine Art Lebensrad zur Hand, welches aus acht Zahlenstrahlen von 1 bis 10 besteht.
Jeder Zahlenstrahl ist einem Lebensbereich meiner Wahl zugeordnet. Z.B. meine Arbeit, meine Beziehungen, mein Körper, meine Seele usw.
In jedem Bereich notiere ich, an welchem Punkt ich mich selbst aktuell sehe und wo ich gerne noch hin möchte. Dann entscheide ich mich, welchem Bereich ich in meinem Alltag mehr Aufmerksamkeit widmen möchte.
Habe ich mich für einen Bereich entschieden, nehme ich mir ein bis drei konkrete Ziele vor, die ich in diesem Lebensbereich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt umgesetzt haben möchte.
Um mir das Ganze zu erleichtern und im Alltag immer wieder in Erinnerung zu rufen, habe ich dafür einen Buddy, der mich regelmäßig an mein Ziel erinnert und liebevoll nachhakt, wie weit ich mit der Umsetzung schon gekommen bin.
Aus diesem Grund habe ich eine Gruppe gegründet, die sich einmal monatlich zusammenfindet und sich über ihre Ziele austauscht und sowohl Erfolge als auch Misserfolge miteinander teilt.
Welcher Deiner Lebensbereiche bedürfte dringend wieder mehr Deiner Zuwendung? Welcher dürfte gerne wieder mehr aufblühen?
Schreibe ihn auf ein Blatt Papier und notiere Dir gleich ein bis drei Ziele, die Du innerhalb der nächsten vier Wochen erreichen möchtest. Informiere Deine Familie oder Deine beste Freundin/besten Freund darüber und lass Dich von ihnen liebevoll an Dein Vorhaben erinnern.

Ich wünsche Dir viel Spaß dabei (auch das kann ein Ziel sein 😉

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Herzliche Grüße
Jana
Jana RitzenÜber die Autorin
Jana Ritzen ist Stress und Burnout Coach und Lachyoga-Lehrerin. Seit 2012 hält sie Vorträge zu beiden Themen und bildet Lachyoga-Leiter/-innen aus. Im November 2016 startete sie ihren Blog, auf dem sie ihre Leser/-innen auf ihre ganz persönliche Reise durch ihre Gefühls- und Gedankenwelt mitnimmt. Dabei verbindet sie die Erkenntnisse ihrer Erfahrungen mit praktischen Tipps und GedankenImpulsen zu den Themen Grenzen setzen und Lachyoga. Seit 2017 spezialisiert sie sich auf Vorträge, die umfassend über Burnout informieren und erklären, weshalb so etwas Banales wie Lachen uns vor Burnout schützt.

http://www.diegluecksschmiedin.com/

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